Genitalverstümmelung

HUDA – Stellungnahme zum Thema Genitalverstümmelung

HUDA – Netzwerk für muslimische Frauen e.V. sieht die weibliche Genitalverstümmelung als Körperverletzung an, die keine rechtliche Grundlage im Islam hat. Daher wendet sich HUDA – Netzwerk für muslimische Frauen e.V. gegen Genitalverstümmelung und will zu diesem Thema aufklären.

Wäre die Genitalverstümmelung eine qur’anische Pflicht, so würde sie der Qur’an gebieten oder empfehlen. Über diese Unsitte ist jedoch keinerlei Hinweis im Qur’an zu finden – im Gegenteil, der Qur’an im gesamten Kontext betrachtet schützt die Schwächeren der Gesellschaft und ermahnt die Männer in Sure 2:223 „Gutes vorauszuschicken, bevor sie zu ihren Frauen gehen“. Das Sexualleben der Eheleute wird im Islam als etwas sehr Positives betrachtet, und aus Überlieferungen des Propheten Muhammad geht hervor, und darin sind sich die Gelehrten einig, daß der Frau das gleiche Recht auf sexuelle Befriedigung zusteht, wie dem Mann.

Der angebliche Ausspruch des Propheten Muhammad, daß er einer Beschneiderin sagte sie solle nicht zu viel abschneiden, daß sei besser für die Frau, gab immer wieder Anlaß zu Diskussionen vor allem in der schafi’itischen Rechtsschule.

Halima Krausen, Islamwissenschaftlerin am Islamischen Zentrum in Hamburg legt den historischen Zusammenhang so dar: Während die Beschneidung von Knaben und Männern eine Sunna ist, die bis zu den Propheten Abraham, Ismail und Isaak zurückgeführt wird, ist die Beschneidung von Mädchen und Frauen eine Sitte, die aus Afrika stammt, wo sie schon in altägyptischen Schriften belegt ist, und deren ursprünglicher Sinn nicht mehr eindeutig ermittelt werden kann, im Gegensatz zur Knabenbeschneidung, die ein Zeichen des Bundes mit Allah war und bestimmte hygienische Vorzüge hat. Im größten Teil der islamischen Welt ist die Mädchenbeschneidung/Genitalverstümmelung völlig unbekannt, während sie dort, wo sie verbreitet ist, weitgehend unabhängig von der Religionszugehörigkeit (z.B. auch bei ägyptischen Christen) praktiziert, aber dennoch oft als „islamische Sitte“ angesehen wird.
Ein schwerwiegender Einwand dagegen ist der, daß aus islamischer Sicht Männer und Frauen grundsätzlich im Rahmen des Möglichen ein Recht auf sexuelle Befriedigung haben und sich nach der Lehrmeinung der meisten Rechtsschulen Frauen ohne weiteres aus einer unbefriedigenden Partnerschaft lösen können. Einige Formen der „Beschneidung“ erschweren die Befriedigung sehr, andere machen sie ganz unmöglich, und wieder andere (speziell die sog. „Pharaonische Beschneidung“) machen sowohl den Geschlechtsverkehr als auch die Geburt von Kindern zu einer größeren chirurgischen Aktion. Der Widerspruch zu den islamischen Prinzipien ist offensichtlich. Hinzu kommen bei den schwereren Formen der Beschneidung/Genitalverstümmelung noch abergläubische Vorstellungen, die im Islam keinen Platz haben.

Somit wurde die Mädchenbeschneidung/Genitalverstümmelung auch immer wieder verboten, sowohl von Gelehrten und muslimischen Behörden als auch von nichtmuslimischen Kolonialverwaltungen. Dies traf allerdings auf den Widerstand der Bevölkerung, sowohl der Männer, die nicht bereit gewesen wären, eine unbeschnittene Frau zu heiraten, weil sie von ihr eine Neigung zur Treulosigkeit erwarteten, als auch der Frauen, die eine unbeschnittene Frau eher für einen „halben Mann“ hielten, und natürlich der Hebammen, die solche Eingriffe gegen Bezahlung durchführten. Die Praxis verlagerte sich vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten immer mehr in den Untergrund, wo durch Unwissenheit und primitive, unhygienische Mittel schwere Komplikationen hinzukommen, die eine hohe Sterblichkeitsrate unter den Mädchen und Frauen infolge des Eingriffs oder im Zusammenhang mit einer Geburt zur Folge haben. Der Trend zur Beschneidung und auch zu den schwereren Formen davon scheint sich trotzdem vor allem da zu verstärken, wo man sie zusammen mit anderen Praktiken als Maßnahme gegen die „westliche Sexwelle“ sieht.

In einer Presseinformation des Zentralrats der Muslime wird ebenfalls betont, daß die Beschneidung der Frau im Qur’an nicht erwähnt wird und die Orientierung an der Praxis des Propheten, der seine vier Töchter nicht beschneiden ließ, im Laufe der islamischen Geschichte praktisch zur Abschaffung dieser vorislamischen Sitte in den meisten islamischen Ländern führte.

Quelle: http://www.huda.de/projekte/genitalverstuemmelung/index.html

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